„Trash the Dress“ ist out: Ruhrpott-Nähe und Gefühl sind in

Mit dem Brautkleid und dem Anzug in einen See springen oder Farbbeutel gegen das weiß Kleid: „Trash the Dress“ - zerstöre dein Brautkleid - war lange Zeit für Hochzeitsfotos gefragt. Langsam verschwindet der Trend und Ruhrpott-Pärchen wollen was anderes. Wir haben die Essener Hochzeitsfotografen Olaf Schwickerath und Sabine Maisenhälder vom Lichtschacht Studio in Essen getroffen.


Heiraten im Pott: Hochzeitspaare wollen ihren besonderen Tag festhalten und sich mit einem Hochzeitsfoto auch Jahre später an diesen Moment erinnern. Was ist das gefragteste Hochzeitsbild bei uns im Ruhrpott?

Sabine: Trendy ist schon noch, dass die Braut in gelben Gummistiefeln rum hüpft oder sie beide pinke Lollys in den Händen halten. Auch beliebt ist eine Botschaft in ihren Hände oder ihr Hochzeitsdatum mit Kreide auf eine schwarze Schiefertafel gemalt. Schwarze Schnurbärte sind dabei auch Trends. Das ist einfach zu viel von allem.
Olaf: Wir haben gemerkt, dass die Hochzeitspaare Wert darauf legen, wirklich als Paar fotografiert zu werden. Dabei geht es um ein Gefühl, um Harmonie und Innigkeit. Es geht nicht darum, dass man „Trash the Dress“ fotografiert. Das sind absolut kurzfristige Trends, die nach einem Jahr weg sind.

Heiraten im Pott: Woher kommt der Wunsch nach den anderen Hochzeitsmotiven?

Olaf: Das resultiert natürlich daraus, dass es schon so lange Hochzeitsbilder gibt. Da gibt es immer den Wunsch: Wir machen mal was anderes, wir machen was Neues. Aber letztendlich macht dabei was anderes ein Hochzeitsfoto aus. Je mehr man zurücknimmt, zum Beispiel einen Hintergrund verschwimmen lässt, auf Schnickschnack verzichtet, rückt das Paar in den Vordergrund und wir sind wieder beim Gefühl.  Das ist den Brautpaaren oft gar nicht bewusst. Am Ende sind diese Bilder aber die, die Zuhause bei den Paaren an der Wand hängen.

Heiraten im Pott: Geht der Trend zurück zu den klassischen Porträtfotos, wo Mann und Frau nebeneinander stehen?

Sabine: Früher hat man auf einem Foto sehr gestellte Paare gesehen. Die Braut steht ordentlich mit einem schön ausgelegten Schleier neben dem Bräutigam, der sie im Arm hält. Heute ist das Ganze viel lässiger. Das Gefühl, dass die beiden füreinander haben, soll in den Bildern rüber kommen. Früher wurde ganz viel aus der gleichen Perspektive, oft vom Stativ aus fotografiert. Was an sich schon eine steifere Sache ist. Um aber in Bewegung zu sein, ist die Kamera in der Hand viel flexibler. Ich kann mich mal eben auf den Boden legen, mal eben auf einen Tisch stellen und mich mal eben im Kreis um das Brautpaar bewegen. Das war früher nicht denkbar.

Heiraten im Pott: „Andere“ Hochzeitsfotos scheinen in den letzten Jahren gefragt und auch Filter sind modern. Da gab es häufig schwarz-weiß Bilder und Fotos im braunen Sepia-Effekt. Wünschen sich Ruhrpott-Pärchen solche Fotos?

Sabine: Trend ist vielleicht gerade „anders“ zu sein. Es gibt viele Fotografen, die extrem mit Verfremdung arbeiten. Filter drüber legen, damit Fotos anders aussehen, als man sie gewohnt ist. Wir sind davon nicht überzeugt.
Olaf: Ein gut gemachtes Bild ist mehr wert, als ein digital retuschiertes und mit einer Orgie an Filtern überlegtes Bild. Weniger ist da mehr. Die Über-Retusche oder die Beauty-Retusche kann nicht darin bestehen, dass eine 40ig-Jährige aussieht wie eine 18-Jährige. Dann ist das Foto nicht mehr authentisch.

Heiraten im Pott: Hochzeitsfotos werden selten im Fotostudio gemacht. Wo stellen Sie sich mit der Kamera auf einen Tisch  oder drehen sich im Kreis um das Brautpaar?

Olaf: Wir haben Hochzeitspaare, die gerne als Kinder des Ruhrpotts fotografiert werden. Das heißt die Kulisse des Ruhrpotts sollte auftauchen, wie die Industriekultur oder alte Zechen wie auf Zollverein. Wir haben zum Beispiel ein Pärchen dort fotografiert, wo ihr Antrag gemacht wurde. Im Matsch auf einer alten Kohlenhalde hielt er um ihre Hand an. Schön ist es immer, wenn das Pärchen mit der Lokation etwas verbindet. Es gab auch ein Brautpaar, die wir am Seaside Beach fotografiert haben. Dort war ihre Standesamtliche Trauung und deshalb haben wir sie mit nackten Füßen im Sand gezeigt. Das ist auch anders aber mit einem persönlichen Bezug. Bevor alle Pärchen in den Seaside Beach rennen, sollte sie sich vorher überlegen, was verbinden sie mit dem Ort.

Autorin: Romina Ay

Weitere Infos

Fotografen: Sabine Maisenhälder Fotografenmeisterin, Studioinhaberin und Olaf Schwickerath Fotografenmeister, Studioinhaber vom „Lichtschacht – Studio und Fotografie“
Kontakt: Studio@lichtschacht.com, www.lichtschacht.com
Preise: Tagesbegleitung ab ca. 1.500€ bis 3.000 Euro, Termin für Porträtfotos ab ca. 800€ bis 1.500€
Tipps für Ruhrpott-Lokation: Zollverein, Landschaftspark Nord oder Jahrhunderthalle Bochum.

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